Grenzwelt oder Tanz mit dem Engel

Serpentin – 2009
Diese Skulptur aus einem Stein von 69 kg Gewicht und einer Höhe von 70 cm stand am Anfang meiner künstlerischen Arbeiten aus Springstone, einem besonders harten Serpentin aus Simbabwe.

Die Entwicklung der Skulptur bis zur endgültigen Form hat eine längere Zeit des inneren Dialogs mit dem rohen Material erfordert. Wie ich den Stein auch hinstellte oder legte, ich war mir sicher, dass es keine liegende oder sitzende Skulptur werden kann. Der spitz zulaufende Stein hatte – sofern man ihn auf die kurze Seite stellte – oben zu wenig Masse, liegend hatte der Ursprungsstein im mittleren Bereich dann wieder zu wenig Substanz.

Erst als der Stein „auf die Spitze“ gestellt und an die Wand gelehnt war, "sah" ich die Figur mit einem Flügel. Im Nachhinein - und ich glaube auch Ihnen geht es so - ist es verblüffend, den Ursprungsstein mit der daraus entstandenen Skulptur zu vergleichen, weil die Form scheinbar nahezu offen-sichtlich war.
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Zu sehen sind zwei sich umarmende, nackte Körper. Der vordere, männliche Körper berührt die hintere Figur mit dem linken Arm an der Schulter. Der rechte Arm des hinteren fasst ihn an der Taille. Beide freien Arme fassen sich an den Händen und sind auf Brusthöhe nach außen verschränkt, wie beim Tanz in einer Standardformation. Der linke Arm der hinteren Figur spannt eine dreieckige, flügelartige Fläche auf, verbunden zwischen Arm und Körper. Beide bilden vom Kopf bis zu den nach unten zulaufenden Beinen eine Einheit, die nur durch feine Linien voneinander getrennt sind. Die Rückenansicht des vorderen Körpers ist naturalistisch ausgeformt.

Die Steinskulptur weist eine Bohrung auf und steht auf einem Metallstab, der mit einer Eisenplatte verbunden ist. Sie ist als mehransichtige Vollplastik gearbeitet, d.h. sie bietet aus allen Perspektiven unterschiedliche Ansichten.

Es war eine spannende Arbeit für mich, diese Skulptur aus dem sehr harten Stein zu arbeiten, weil bei der Bearbeitung – insbesondere mit dem Flacheisen – immer mehr wunderschöne und interessante Maserungen und Schattierungen im Stein sichtbar wurden.

So sind an der Seite der Figuren unten netzförmige bräunliche Farblinien zu sehen und auch die Trennlinie der Köpfe der tanzenden Personen sind linienförmig getrennt.
Die äußere Oberfläche des Flügels wurde natur, also unbearbeitet belassen, die Innenseite mit dem Flacheisen grob behauen.

Ich bin überzeugt, dass es in zwischenmenschlichen Begegnungen Grenzwelten gibt, die sich uns nicht auf den ersten Blick erschließen. Und ich bin auch davon überzeugt, dass es Lebenssituationen gibt, in denen einem engelhafte Personen erscheinen. Diese Skulptur hat eine spirituelle Ebene, die mir bewußt oder unbewußt immer wieder begegnet.

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Geborgenheit

Springstone / Serpentin – 2017
Mit dieser Skulptur wurde die neue formale Sprache fortgesetzt, die ich mit den Skulpturen "Mönch" und "Verinnerlicht" begonnen habe zu entwickeln: Verstärkte formale Abstraktion bei Bewahren figurativer Repräsentation stehen inzwischen im Vordergrund.

Sichtbar sind zwei sich gegenüber stehende Menschen. Dabei umarmt die größere, scheinbar weibliche Person, die andere. Der rechte Arm umschließt den Schulterbereich, die vom Rücken leicht abgehobene Hand wurde als rechteckige Fläche abstrahiert. Beide Köpfe sind zueinander gewandt. Durch die kapuzenartige, schutzbringende Kopfbedeckung der größeren Person und durch die Intimität des sehr nahen Blickes entziehen sich beide der Außenwelt.

Die Steinskulptur weist keinen zur Arbeit gehörigen Sockel auf. Sie ist 49 cm hoch, 25 kg schwer und freistehend. Ich habe die Skulptur als mehransichtige Vollplastik aus Springstone gearbeitet, einem gleichzeitig herausfordernden und ausdrucksstarken schwarzer Serpentin mit braunen Linien und/oder Mustern.

Die Figur ist in ihrem Entstehungsprozess durch viele Entwicklungsstufen gegangen. Insbesondere die Nähe und Position der stilisierten Köpfe, aber auch die sich umarmenden Hände wurden mehrmals von mir geändert. Die Skulptur verbindet nun vorhandene Farbnuancen und Adern mit einer Formgebung, die den Betrachter anzurühren und zu bewegen vermag.
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Bilder der Entstehung

Meine Arbeitsweise als Bildhauer
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Meine Arbeit als Bildhauer beginnt mit der Auswahl eines Steines. In der Regel besuche ich hierzu einen Großhandel in Frankfurt und schaue mir die Steine in großen Gitterkörben an. Es sind dabei unregelmäßige, unbehauene Steine, wie sie entweder in der Landschaft lagen oder in einem Steinbruch aus dem Felsen gebrochen wurden. Ich suche den Stein, der mich „anspricht“. Eigentlich müsste ich also sagen, der Stein sucht mich, nicht ich ihn.

Bei der Auswahl achte ich jedoch darauf, dass die Steine für mich noch gewichtsmäßig transportierbar sind. Maximal 70kg.

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Meine Arbeitsweise als Bildhauer

Meine Arbeit als Bildhauer beginnt mit der Auswahl eines Steines. In der Regel besuche ich hierzu einen Großhandel in Frankfurt und schaue mir die Steine in großen Gitterkörben an. Es sind dabei unregelmäßige, unbehauene Steine, wie sie entweder in der Landschaft lagen oder in einem Steinbruch aus dem Felsen gebrochen wurden. Ich suche den Stein, der mich „anspricht“. Eigentlich müsste ich also sagen, der Stein sucht mich, nicht ich ihn.

Bei der Auswahl achte ich jedoch darauf, dass die Steine für mich noch gewichtsmäßig transportierbar sind. Maximal 70kg. Diese Steine werden dann auf einer kleinen Euro-Platte festgezurrt und in mein Sommeratelier nach Vallon Pont d’Arc in Südfrankreich transportiert.

Mehrere Stunden - ggf. einige Tage – umrunde ich dann den Stein, lege ihn hin, stelle ihn auf … und schaue ihn mir an, um eine Inspiration oder Idee aufgrund der Grundstruktur zu erhalten. Hilfreich ist hierbei auch das Anfeuchten des Steines mit Wasser, um farbliche Schattierungen und beim unregelmäßigen Verdunsten des Wasser auf der Steinoberfläche Risse oder Unregelmäßigkeiten erkennen zu können.

Es ist im Nachhinein verblüffend, den Ursprungsstein mit der daraus entstandenen Skulptur zu vergleichen, weil die Form oft scheinbar nahezu offen-sichtlich vor mir lag. Trotzdem bleibt das Hauen ein Prozess des ständigen Dialogs. Jede Unregelmäßigkeit, jeder Riss, jede Ader und jede Farbänderung ist in die Arbeit einzubeziehen und gibt der Skulptur neue Ansichten.

Grobe Arbeiten führe ich am Stein mit einer Diamanttrennscheibe aus, danach folgt die Arbeit mit Hammer und Meißel. Ganz „klassisch“ zuerst das Spitzeisen für die Gestaltung, dann Zahneisen und danach die Flachmeißel unterschiedlicher Breiten für die Feinheiten, Konturen und Flächen. An pneumatische Werkzeuge habe ich mich nie gewöhnen können. Ich verliere hierbei das Gefühl der Genauigkeit und der damit verbundenen Kontrolle.

Ich liebe dieses körperliche, harte Arbeiten mit dem Stein. Alle Gedanken sind auf diese Tätigkeit gerichtet. Vor allem ist es ein schönes Gefühl, abends die Ergebnisse des Tages zu sehen und vor der Skulptur – vielleicht mit einem Glas Rotwein – zu sitzen. Hier und da werden dann kleine Änderungen mit einem Wachsstift auf den Stein gezeichnet und somit die Planung für den nächsten Tag vorbereitet.

Ist die Form stimmig, so kommen unterschiedliche Korund-Feilen und danach Schleifpapier und Diamant besetzte Hartschaumblöcke unterschiedlicher Körnung bis 1000 zum Einsatz. Das „Sanding“ oder Schleifen wird ab einer Körnung 200 in der Regel nass durchgeführt.

Um Farbe, Struktur und Feinheiten der Skulptur hervorzuheben, wird die fertige Skulptur - in der Tradition der Künstler aus Simbabwe - anschließend erhitzt und mit Wachs an den geschliffenen Flächen behandelt.

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Grenzen des Ichs

Springstone / Serpentin – 2016
Meine Intention bei dieser Skulptur war es, die reine figurale Darstellung nur anzudeuten. Sichtbar sind drei miteinander verbundene Teile: ein menschlicher Torso mit Rückenansicht vom Schulter- bis zum Lendenbereich und zwei unterschiedlich große Quader oder Blöcke, die vor dem Torso stehen. Diese Blöcke drücken sich in den vorderen Körper ein. Sie symbolisieren die Grenzen und Widerstände des menschlichen Seins.

Die Steinskulptur habe ich aus einem schwarzen Serpentin als Vollplastik gearbeitet. An den Schnittstellen „zur Außenwelt“, die rau sind und sich auch durch die leicht bräunlich-graue Oberfläche abheben, wurde der Ursprungstein nicht weiter bearbeitet. Der Stein hat sehr feine Strukturen und Linien, die durch das Nassschleifen und Polieren wunderschön zum Vorschein kommen. Die Skulptur ist 32 cm hoch, 23 kg schwer und freistehend gearbeitet.
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Bilder der Entstehung

Verinnerlicht

Serpentin – 2014
Diese Steinskulptur ist aus einem der härtesten Steine, die ich bisher bearbeitet habe. Sie ist ca. 40 cm hoch und freistehend.

Zu sehen ist eine figurale Abstraktion eines – je nach Blickrichtung – eher introvertierten bzw. extrovertierten Menschen. Der Körper der Figur wurde durch Reduktion auf plane und geschwungene Flächen dargestellt. Diese sind geschliffen und poliert. Beide angedeutete Arme weisen nach oben und umschließen den oval-gestalteten Kopf, der mit einem Stockhammer an der Oberfläche bearbeitet und somit rau belassen wurde. Dieser Gegensatz zwischen glatter und rauer Oberfläche, der auch farblich zum Tragen kommt, betont die innere Spannung der Skulptur.

„Verinnerlicht“ nimmt die sehr feinen Strukturen, Linien und Farbnuancen des Steines auf und setzt sie in Beziehung zur Form.




Video zur Enstehung der Skulptur

Sommeratelier Vallon Pont d'Arc
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Seit fast 20 Jahren arbeite ich im Frühjahr oder Herbst in meinem Sommeratelier. Vallon Pont d’Arc ist eine französische Gemeinde mit ca. 2300 Einwohnern im Tal der Ardèche. Dort beginnen die 30 km langen, spektakulären Gorges de l’Ardèche mit dem 60 Meter hohen Natursteinbogen Pont d’Arc, der für den Ortsnamen als Zusatz gewählt wurde.

Das 5000 qm große, fast naturbelassene Areal mit zwei Wohnhäusern, einer Schmiede und einer Holzwerkstatt lädt zum kreativen Schaffen regelrecht ein. Hier kann ich im Freien an meinen Skulpturen arbeiten, ohne durch die damit verbundene akustische Begleiterscheinung die Nachbarschaft zu stören. Die umfangreiche Ausstattung an Werkzeugen und Maschinen sorgt für beste Arbeitsbedingungen als Bildhauer.

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Sommeratelier Vallon Pont d'Arc

Seit fast 20 Jahren arbeite ich im Frühjahr oder Herbst in meinem Sommeratelier. Vallon Pont d’Arc ist eine französische Gemeinde mit ca. 2300 Einwohnern im Tal der Ardèche. Dort beginnen die 30 km langen, spektakulären Gorges de l’Ardèche mit dem 60 Meter hohen Natursteinbogen Pont d’Arc, der für den Ortsnamen als Zusatz gewählt wurde.

Das 5000 qm große, fast naturbelassene Areal mit zwei Wohnhäusern, einer Schmiede und einer Holzwerkstatt lädt zum kreativen Schaffen regelrecht ein. Hier kann ich im Freien an meiner Skulpturen arbeiten, ohne durch die damit verbundene akustische Begleiterscheinung die Nachbarschaft zu stören. Die umfangreiche Ausstattung an Werkzeugen und Maschinen sorgt für beste Arbeitsbedingungen als Bildhauer.

Das Anwesen mit Namen „Nathanael“ (biblische Gestalt aus dem Johannes Evangelium und zu Deutsch "Gott hat's geschenkt") liegt rund drei Kilometer westlich von Vallon Pont d'Arc am Hang einer Hügelkette und ist für mich – nicht nur als Künstler - wirklich ein wahres Geschenk.

Jörg Meuth, Besitzer und Hausherr dieses Paradieses auf Erden, ist ein guter Freund geworden, den ich nicht mehr missen möchte.

Hier ein Panoramablick in die Schreinerei:

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Wer Lust hat, auch an diesem Ort künstlerisch zu arbeiten, dem sei die Webseite von Nathanel empfohlen.

Nachfolgend noch einige Impressionen vom Sommeratelier.

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Aufrecht und stolz

Springstone / Serpentin – 2013
Der Ursprungsstein aus Springstone mit einem Gewicht von 58 kg war – wie so häufig – sehr schmal und länglich. Es bot sich von Anfang an, eine Figur darzustellen.

Es war mir wichtig, dass die Figur den Betrachter durch Ambivalenzen in der Anmutung spontan gefangen nimmt: Aufrecht und zugleich schwingend schreitet sie selbstbewusst und nach vorne blickend ihren Weg. Sie strahlt dabei eine gewisse Unnahbarkeit aus. Ein von den Schultern bis zum Boden reichender Umhang umhüllt ihren Körper. Ihr linkes Bein ist zum Schritt voran gestellt. Der Schrittstand erlaubt durch den Umhang keinen Durchblick. In diesem Bereich weist der ansonsten schwarze Springstone eine leicht bräunliche Färbung auf. Die Vorderansicht wurde nicht durchgehend geschliffen. Im Bauchbereich ist noch leicht die grobe Struktur des Ursprungssteins – ähnlich eines Sonnengeflechts - erkennbar. Die schwingenden Arme zeichnen sich in den Flächen des Umhangs ab. Die Hände wurden bewusst nicht ausgearbeitet, um die fließenden Bewegungen des Körpers zu betonen.

Im Gegensatz zum Körper habe ich den Kopf mit Augen, Nase und Mund detailreicher ausgearbeitet. Die langen Haare wurden von mir - ganz in der Tradition der Shona Künstler – rau gearbeitet und auch bei der abschließenden Behandlung mit Wachs ausgespart.

Die Steinskulptur ist 76 cm hoch, 38 kg schwer und freistehend gearbeitet.
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Bilder der Entstehung

In Love

Serpentin – 2012
Frau und Mann berühren sich zart, sind miteinander verbunden und trotzdem frei. Beide Personen habe ich aus einem schwarzen Serpentin gearbeitet und durch eine konvexe Vertiefung, in der der Stein nicht geschliffen wurde, optisch getrennt. Beide berühren sich an den Schultern, die Hände berühren jeweils den Körper des Gegenübers. Sie schauen sich an. Trotz einer gewissen „Robustheit“ in der Form wirkt die Skulptur durch die ausgewogene Linienführung zart und lebendig. Diese Intention wird durch Details mitgetragen, wie die unbearbeitete Oberfläche am Rücken und die geschwungenen Flächen, die die farblichen Nuancen des Steins berücksichtigen. Die Skulptur habe ich freistehend ohne Sockel gearbeitet.

Der ca. 45 cm hohe - von oben betrachtet - fast dreieckige Ausgangsblock, aber auch die Musik von Leonard Cohen inspirierten mich zu dieser Arbeit. Im September 2012 habe ich das grandiose Konzert von Cohen in Berlin gehört. Das Hören seines Live-Albums “Live in London“ begleitete mich bei der Erstellung dieser Steinskulptur.
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Bilder der Entstehung

Hoffnung und Trauer

Springstone / Serpentin – 2010
Zwei Seiten, ein Stein. Auch hier war der von mir gewählte Ausgangsstein aus schwarzem Springstone schmal und länglich. Von Anfang an spürte ich, dass in diesem Stein etwas Gegensätzliches ruhte, das ich jedoch anfänglich nicht exakt benennen konnte: nah-fern, frei-gebunden, hoffnungsvoll-verzweifelt. Heraus kam eine formal sehr schlichte Skulptur, die alle diese Aspekte beinhaltet.

Auf der einen Seite eine kniende Figur, die lebendig und selbstbewusst in die Welt schaut, deren stilisierte Arme jedoch nach hinten gebunden sind. Auf der anderen Seite eine Figur, deren Gesicht ein unbearbeiteter, rotgelblich strahlender Steinkreis ist. Ihre Hände liegen auf den Knien und sind, fast bittend, an die Welt gerichtet. Betont werden diese Gegensätze auch durch die Bearbeitung der Oberflächen. Auf der einen Seite der seidenmatte, konkav gestaltete Körper, auf der anderen die rohe, zerklüftete Form.

Die Figur nimmt die Unregelmäßigkeiten im Stein in Details auf, wie den Einschlusskranz ringsum das Gesicht oder die Linien des Steines auf der Brust der Figur.

„Hoffnung und Trauer“ ist 73 cm hoch, 47 kg schwer und freistehend gearbeitet.

Meine Motive als Bildhauer

Ich stelle in meiner Arbeit als Bildhauer täglich fest, dass der Dialog mit dem Stein bei seiner Auswahl und Bearbeitung viele Facetten meiner Selbst zu Tage fördert, die mir selbst so nicht bewusst sind oder waren. Die Skulpturen, die ich erschaffe, sind Spiegel meiner Erfahrungen, meiner persönlichen Entwicklung, meiner Gedanken, meiner Wünsche und der Auseinandersetzung mit meinem aktuellen Kontext, in dem ich lebe. Kurz: meiner Identität.

Themen wie

• Nähe und Distanz (Geborgenheit, Hoffnung und Trauer, Grenzen des Ichs u.a.)
• Leben und Tod (Zyklus des Lebens u.a.)
• Religiosität (Grenzwelt oder Tanz mit dem Engel, Mönch u.a.)

stehen in unterschiedlicher Ausprägung immer wieder im Vordergrund.

Für mich ist Bildhauerei körperliche Arbeit. Sie erfordert Erfahrung, Konzentration, Geduld und räumliche Vorstellung, jedoch wenig „Denken mit dem Kopf“ bei der Ausführung. Es ist „Denken mit den Händen“, wie der von mir hoch geschätzte Bildhauer Alfred Hrdlicka einmal sagte, und es ist pure Freude, die fertige Skulptur als Ergebnis dieser anstrengenden Arbeit zu sehen.


Sternenstaub

Basalt – 2016
„Sternenstaub“ ist 2016 in meinem Sommeratelier in Vallon Pont d’Arc entstanden und ist aus Basalt gearbeitet - einem überaus anspruchsvollen Material und das Gestein mit der größten Verbreitung auf unserer Erde. Darüber hinaus lässt es sich auch auf den Planeten Merkur, Venus, Mars und dem Mond nachweisen und viele Meteoriten besitzen die gleiche chemische Zusammensetzung.

Basalt entsteht bei der Aufschmelzung des Erdmantels. Beim Austritt aus der Erde bei einer Temperatur bis zu 1200°C dünnflüssig, erstarrt es bei etwa 900°C zu Lavabrocken. Findet die Abkühlung verzögert statt, entstehen durch das Zusammenziehen nicht selten meterlange eckige Basaltsäulen (Säulenbasalt), die sich senkrecht zur Abkühlungsfläche bilden, bevorzugt mit einer sechseckigen Geometrie.

Es sind diese hexagonalen Basaltsäulen, angeordnet wie Orgelpfeifen an den Felswänden, die auch im Département Ardèche zu finden sind - nahe meines Sommerateliers. Durch die vulkanische Aktivität wurden wunderschöne Landschaften geschaffen, die zwischen 40.000 und 10.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung entstanden sind.

Im Basalt finden sich häufig Einschlüsse von Mineralien oder ganzen Gesteinen mit einem höheren Schmelzpunkt darin. Und genau dieses macht das Gestein so interessant für die künstlerische Gestaltung. Im äußeren, unbearbeiteten Erscheinen erinnert es mich fast an Beton. Aber wir alle kennen Basaltpflastersteine, die durch jahrhundertelange Reibung oder mechanische Abnutzung glänzend schwarz geworden sind - trotz eines extremen Härtegrades von bis zu 9 auf der zur Bestimmung von Gestein bekannten Mohsschen Härtegradskala ( 1 bis 10 ).

Besonderen Ruhm gewann Basalt im sogenannten „Basaltstreit“ im späten 18. Jahrhundert. Vordergründig wissenschaftlich geführt, war der Basaltstreit eine Grundsatzdiskussion verschiedener religiöser Anschauungen bezüglich der biblischen Schöpfungsgeschichte und somit eine Auseinandersetzung um Weltbilder und -erklärungsmodelle. Basierend auf Moses 1,1–2: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ wurde die Entstehung des Basalts aus dem Ur-Ozean abgeleitet.

Es war mir bei dieser Skulptur wichtig, die hexagonale Struktur der Basaltsäule zu bewahren und durch das Schleifen der Säulenstrukturen die darin enthaltenen Einschlüsse zu betonen, die wie ein Meteoritenfeld oder ein Sternenhimmel leuchten.

„Sternenstaub“ hat einen Durchmesser von 31 cm und ist 35 kg schwer freistehend gearbeitet. Sie ist auf einem Stahlrohr mit Gusseisensockel befestigt.
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Sitzende Frau

Serpentin – 2010
... 49 cm hoch aus afrikanischem Serpentin gearbeitet.

Schwarzer Serpentin als Stein - eine Entdeckung und Herausforderung, mit der ich mich seit 2009 künstlerisch auseinandersetze. In der Verarbeitung verzeiht er mir wenig. Hart und dennoch empfindsam.

Diese Skulptur war eine echte Herausforderung für mich: Hauen, schleifen, wieder hauen, schleifen, nass schleifen, usw.. Zum einen lag es daran, dass ich eine ziemlich genaue Vorstellung hatte, wie die Skulptur auszusehen hätte, zum anderen achtete ich dabei immer weniger auf den Dialog mit dem Stein. Bis dieser jäh unterbrochen wurde. Sie werden es kaum glauben … die Skulptur war fast fertig und sie machte mir einen Strich durch meine Rechnung. Ich hatte sie stolz beim Besuch von Freunden in meinem Sommeratelier auf die Steinplatten der Terrasse gestellt. Und nach Besichtigung und Würdigung dieser Arbeit - was soll ich sagen - fiel sie um und wurde an der einen Seite beschädigt. Und zwar war am linken Arm ein großes Teil abgesprungen. Also wieder neu hauen und schleifen.

Mit Freude habe ich festgestellt, dass die Skulptur durch diesen Unfall oder besser Umfall und den nachfolgend notwendigen Änderungen in der Gestaltung deutlich im Ausdruck gewonnen hat.

Die Steinskulptur ist freistehend gearbeitet. Sie ist auf einem Stahlstift mit Eisenplatte befestigt.

Zu sehen ist eine junge Frau, die mit angewinkelten, geschlossenen Beinen auf dem Boden sitzt. Ihr Körper ist auf den ersten Blick naturalistisch dargestellt. Der rechte Arm liegt quer über dem Oberkörper, der linke fällt locker am Körper herab. Hier bildet sich eine Öffnung zwischen Armbeuge und Körper. Auf Details wie Hände und Füße wurde verzichtet. Die Betonung der Formgebung liegt auf dem Becken- und Beinbereich, die noch durch die Drehung der Figur in sich selbst und durch die schmalen Schultern hervorgehoben wird.

Kopf mit Augen, Nase und Mund habe ich detailreich ausgearbeitet und zeigen einen entschlossenen Ausdruck. Die durch eine Teilfläche angedeuteten Haare wurden von mir - ganz in der Tradition der Shona Künstler – rau gearbeitet und auch bei der abschließenden Behandlung mit Wachs ausgespart. Durch dieses Detail unterstütze ich zusätzlich die Spannung zwischen fließend glatten und rohen Oberflächen bei der Betrachtung der Figur.

Sie nimmt eine selbstbewusste und herausfordernde Haltung gegenüber dem Betrachter ein.

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weiterlesen und Bilder der Entstehung

Mönch

Serpentin – 2015
Mönch – Hommage an den Künstler Daniel Souriou, der 2015 verstarb. Als Metall-Bildhauer und Schlosser hat Souriou - unter vielen anderen Kunstobjekten – wunderschöne, ergreifende und bewegende Metallskulpturen aus einem Eisenstück mit einem Hammer von 350t im wahrsten Sinne des Wortes geschlagen. Eine dieser Skulpturen mit dem Namen „Le Moine“ erwarb ich von ihm.

"Mönch" als Steinskulptur wurde freistehend gearbeitet und nimmt die Formensprache des geschlagenen Metalls auf: Formale Abstraktion bei Bewahren figurativer Repräsentation. Die Skulptur ist 66 cm hoch und 52 kg schwer.
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Die klare Struktur und die Arbeit mit Flächen und Krümmungen standen für mich im Vordergrund, ebenso wie flächige Einkerbungen im Körper der Figur.

Zu sehen ist eine stilisierte kniende Figur, deren rechte Hand auf dem rechten Knie ruht. Die Formgebung ist nicht naturalistisch. Die Figur ist aus glatten, geschliffenen, teilweise leicht gebogenen Flächen zusammengesetzt. Der Kopf nur als Körper mit einer vertikal geschwungenen Kante dargestellt. Sie ist eine in sich geschlossene Skulptur, die aufgrund von Licht und Schatten – bedingt durch die glatten Flächen – Aufmerksamkeit auf sich zieht. Diese wird noch erhöht durch die mit einem Stockhammer mit Zähnen bearbeitete Fläche der Kutte, die von mir ungeschliffen belassen wurde.
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Öffne deine Seele / Moyo Wakanaka

Serpentin – 2017
Im Juli 2017 habe ich neun Tage an einem Bildhauer-Workshop in Heidelberg teilgenommen. Der Workshop stand unter der Leitung von Edious (Eddy) Nyagweta, einem bekannten Bildhauer aus Simbabwe. Eddy hat von Kindheit an mit Serpentin gearbeitet. Sein Lehrer war der Künstler Thomas Mukarobgwa, dessen Werke im „Museum of Modern Art“ in New York zu sehen sind.

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Ich habe viel von Eddy über die Shona-Methode gelernt und aus unseren Gesprächen wertvolle künstlerische Anregungen mitgenommen. Eddy beginnt – wie ich in meinen Arbeiten auch - jeden künstlerischen Prozess, indem er einen Stein wählt, der ihn diesem Moment „anspricht“ und entwickelt daraus die Skulptur.
"Moyo Wakanaka" heißt in der Sprache der Shona "Öffne deine Seele".
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Zyklus des Lebens

Steatit – 2006-2007
Dieser Zyklus aus Skulpturen wurde erstmals in einer Einzelausstellung 2007 im Skulpturengarten der Stadt Neu-Isenburg ausgestellt.

Stilisierte Köpfe in unterschiedlichen farblichen Ausprägungen des Steatits – von einem Kind, einer jungen Frau, einem Paar, einem alten Mann - stehen auf dünnen Metallstäben im Kreis. Im Zentrum des Kreises liegt ein grüner, mit farbigen Linien durchzogener Stein mit angedeutetem Gesicht und offenem Mund („Der Schrei“). Alle Skulpturen des Zyklus – ausgenommen "Der Schrei" – weisen als formgebendes Merkmal kreisrunde Augen in ihren Köpfen auf, die für das Leben stehen.

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Why?

Steatit – 2006
Diese Skulptur ist aus dunkelgrünem Steatit gearbeitet. Ich habe sie nur teilpoliert, um die Spannung zwischen "Schutz" und "Verletzlichkeit" hervorzuheben.

Ich habe mit der Arbeit am 4. August 2006 begonnen. Es war die Zeit, in der täglich über den Israel-Libanon-Konflikt in den Nachrichten berichtet wurde. Hiervon und von den Geschehnissen in London Mitte August wurde meine Arbeit an der Skulptur beeinflusst: "Warum tun Menschen Menschen so etwas an?"
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Träumende

Steatit – 2008
Schwarzer Steatit mit wunderschönen Strukturen und Linien zeichnen diese Skulptur aus.

Es war mir bei dieser Arbeit wichtig, ruhige und klare Formen zu finden, um sowohl dem recht kompakten Stein als auch dem Thema gerecht zu werden.

Und zum Abschluss noch einige kleinere Arbeiten aus Steatit (bitte anklicken zum Vergrößern):

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© 2018 Florian Piel